Archiv der Kategorie: Leben

2020-06-11

Ich war gestern morgen im Second-Hand-Shop.

Ja, eigentlich hätte ich es bleiben lassen sollen, mein Rücken hat es mich bereuen lassen.
Aber was ich dort gesehen habe, hat mich doch nachdenklich gemacht.

Es gibt dort z.B. eine Gruschd-Ecke mit Bildern und Bilderrahmen.
Da waren auch sehr viele Stickbilder dabei.
Da ich selber sticke, weiß ich, wieviel Zeit und Energie in so ein Stickbild fließt.
Die Dinger kosten da 2-3 Euro, je nachdem, wie gut der Rahmen ist.

Es gibt auch eine Geschirrecke.
Dort gibt es Geschirrsets für 10 Euro.
Dünnes Porzellan, teilweise mit Goldrand oder zartem Blütendekor.
Meine Mutter hat auf sowas noch monate- bis jahrelang sparen müssen und es kam nur wenn Besuch zu besonderen Anlässen da war auf den Tisch.

Und ich habe die Klagen im Ohr, dass heutzutage ja beide Eltern arbeiten müssen, damit man sich ein normales Leben noch leisten könne.
Früher habe ja der Papa alleine genug Geld verdient, um eine ganze Familie ernähren zu können.
Und man wäre ja auch einmal im Jahr in den Urlaub gefahren.
Ja, gefahren.
Mit dem Auto.
Stundenlang ohne Klimaanlage.
In einem günstigen Hotel.
Für eine Woche.
Meistens in Deutschland, nur die Reichsten konnten sich Urlaub im Ausland leisten.

Ich erinnere mich, wie das als Kind etwas ganz Besonderes war als man mal im Dorf ins Restaurant gegangen ist.
Normalerweise zu einem höheren runden Geburtstag oder einer Hochzeit/goldenen Hochzeit.
Wir haben unsere besten Kleider angezogen.
Und es gab Pommes, die gab es nur, wenn wir mal ins Restaurant gegangen sind um zu essen.

In der Realschule mussten wir im Kunstunterricht einmal Pizza malen.
Eine Klassenkameradin hat etwas gemalt, das ich noch nie gesehen habe: Oliven.
Mit 14 Jahren hatte ich noch nie in meinem Leben Oliven gesehen und wusste nicht, was das ist, weil ich noch nie in einem Restaurant eine Pizza gegessen habe.

Meine Mutter hatte bis zum Tod ein Bett, das sie sich mit ihrem ersten Gehalt gekauft hat.
Sie hatte vorher kein eigenes Bett.

Ja, klar kann man sagen, dass heutzutage die Möbel nicht mehr dieselbe Qualität haben wie früher und sie deshalb schneller kaputt gehen.
Aber wenn ich monatelang eisern spare und mir von diesem ganzen Geld ein Bett kaufe, hält das auch 100 Jahre.

Auch heutzutage gibt es noch Qualitätsmöbel.
Aber wir sind so verwöhnt von den Preisen der Billigmöbel, das wir es absurd finden, monatelang nicht essen zu gehen, uns keine Kleidung zu kaufen, fast ausschließlich Nahrung aus dem eigenen Garten zu konsumieren, keine Bücher zu kaufen, kein Spielzeug, … und von dem ganzen Geld, das wir dann erspart haben, uns ein Bett zu kaufen.

Warum sollten wir auch?
Es kommt doch sowieso weg, wenn einem das Design in 5 Jahren nicht mehr gefällt!

Ich sage auch nicht, dass ich selbst besser bin.

Ich geh gerne essen, im Schnitt essen wir einmal die Woche außer Haus.
Das ist nicht wenig, wenn ich mir meine Kindheit anschaue.
Und da ist noch nicht der Spaziergang zum Bäcker im Dorf mitgezählt, wo dann ein Kaffee geschlürft wird, einfach nur, damit man ein Ziel hat und einen Grund zum Laufen.

Auch mir gefallen manche meiner Dinge nicht mehr und ich ersetze sie durch Neues, auch wenn es nicht notwendig wäre.
Auch ich kaufe mir gerne Dekoration und nach 3-4 Jahren gefällt mir das Zeug nicht mehr und es landet im Second Hand Shop.

Aber es ist unglaublich zufriedenheitssteigernd, sich klar zu machen, in welchem Luxus man selbst lebt.

Und es bringt Sicherheit, zu wissen, dass, wenn es hart auf hart kommt, es viele Dinge gibt, die man zurückschrauben kann.
Dinge, auf die man nicht verzichten möchte, aber könnte, sollte es irgendwann notwendig sein.
Und dass man dann immer noch genug zum Leben hat.

2020-05-05

Heute morgen bin ich zu SMA gefahren und habe meinen Spind leer gemacht.

Ich war sehr tapfer und habe erst, als ich wieder im Auto war, geheult.

Mein Ausweis funktioniert noch an den Schranken und auch auf meine E-Mails konnte ich noch zugreifen.

Einer der Kollegen hat mir eine E-Mail geschrieben, dass er es Sch* findet, dass ich gekündigt wurde und hat mir alles Gute gewünscht.

Von meinen Vorgesetzten nichts.

Ich bin ihnen nicht mal eine E-Mail wert, in der sie mir „Alles Gute“ wünschen, selbst wenn es scheinheilig wäre.

Das kostet keine Minute.

Das ist echt bitter.

Ich finde dieses Verhalten zutiefst unhöflich.

Aber es gibt auch Sonnenseiten.

Ich habe nette Freunde, die kein gutes Haar an meinen Vorgesetzten, die sie persönlich kennen, lassen und welche, die mir abends stundenlang durch die Niederungen des Zahnersatzes helfen und und und…

Das macht meinen Tag wieder besser.

2020-04-29

Dass ich einen Bandscheibenvorfall habe und mir gekündigt wurde ist plötzlich gar nicht mehr so schlimm.

Es gibt Schlimmeres.

Wie z.B. wenn der Schönste aller Kater den Verdacht auf Fibrosarkom hat und der Tierarzt meinte, in dem Falle mache eine OP keinen Sinn mehr.

Können wir diesen Monat bitte noch mal von vorn versuchen?

Ohne den ganzen Mist?

2020-04-28

Heute war meine Kündigung in der Post.

Ich hatte am Freitag meinen SMA-Vorgesetzten Bescheid gegeben, dass ich weitere 3 Wochen krank geschrieben bin.

Es kam bis heute keine Antwort.

Nicht mal ein „Gute Besserung!“.

Ich fühle mich sooo wertgeschätzt für die Arbeit, die ich bisher geleistet habe, für das Engagement, das ich gezeigt habe, dafür, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und mein Bestes ist definitiv sehr gut!

2020-04-24

Heute war der beste Tag seit Monaten.

Ich bin um 6 aufgestanden und hab bis abends um 9 gewurstelt ohne mich zwischendrin ausruhen zu müssen.

Ich war beim Orthopäden, heute hat mir Dr. Nachtwey die Spritze gesetzt.

Dann war ich einkaufen.

Als mir irgendwann die Orthese gerieben hat, habe ich sie ausgezogen.

Ich konnte dann 2h ohne Orthese werkeln ohne dass die Schmerzen überhand genommen haben.

Ich habe in der Küche geputzt, Essen für 3 Mal gekocht.

Wäsche versorgt.

7 x Mund-Nasen-Schutz genäht..

Heute war super.

2020-04-22

Eigentlich müsste ich dringend auf die Toilette. Andererseits sitzt die Orthese gerade sehr gut und ich habe kaum Schmerzen.

Probleme, die man nur kennt, wenn man einen Bandscheibenvorfall hat.

Alle Kollegen, die ich hatte, hatten Rückenprobleme.

Der Preis für ein glückliches Handwerkerleben.

2020-04-20

Ich hätte nicht auf Sabine hören sollen und eine zweite Meinung einholen.

Ich habe es kaum geschafft, zum Auto zu kommen, bevor ich losgeheult habe.

Der Arzt im Marienkrankenhaus ist der Meinung, dass die Spritzen mir nichts helfen werden und ich um eine OP nicht drum rum komme.

Und nach der OP soll ich 6 Wochen lang nicht arbeiten.

Und ich war so glücklich bei der Arbeit.

Ich bin jeden Tag aufgewacht und war fröhlich, weil ich zur Arbeit durfte.

Der Arzt meinte, ich solle ruhig die Spritzen-Therapie weitermachen, hat mir aber schon einen Termin nach Ende des letzten Spritzen-Termins gegeben, wo wir dann über die OP sprechen.

2020-04-13

Ich bin jetzt auf 3g Gabapentin/Tag hoch und es wird immer schlimmer.

Ich bin völlig erschöpft und kann nicht schlafen vor Schmerzen.

Und ich habe Angst, meine Arbeitsstelle zu verlieren.

Ich glaube nicht, dass ich in 2 Wochen fähig bin, arbeiten zu gehen.

2020-04-08

So richtig schlau werde ich nicht daraus.

Aber ich merke, dass die Schmerzen schlimmer werden.

Heute wieder Massage, morgen Stoßwellentherapie für meinen Fersensporn.

Eine Baustelle nach der Anderen.

2020-04-05

Bin heute zum Lernhof, hab Tierdienst gemacht und wieder zurück und mein Fersensporn hat nichts an seiner Gemeinheit eingebüßt.

Und nach 2h Orthese-Tragen war meine Haut an der Hüfte wund.

Morgen bekomme ich hoffentlich die Diagnose vom MRT am Freitag.