Archiv des Autors: lgs

2026-03-22

Ich habe das Gefühl, die Welt zerreißt mich.

Ich habe mich in der Bahnhofsmission mit T angefreundet.
Er kommt auch aus der ehemaligen DDR und ist einer der wenigen dort, die Ahnung von Technik haben.
T hat dieses Jahr seinen Vater verloren.
Den letzten Familienangehörigen.
Er hat keine Frau, keine Kinder, keine Geschwister.
Seine Mutter ist schon lange tot.
Er ist jetzt komplett allein auf der Welt.

B und ich haben uns in einer Umschulungsmaßnahme kennengelernt und und in der Ludwig-Noll-Klinik wiedergetroffen.
Wir haben uns angefreundet.
Jetzt geht es ihr wieder sehr, sehr schlecht und sie ist wieder in der Ludwig-Noll.

F hat Schizophrenie.
Er war Praktikant in der Bahnhofsmission.
Ein intelligenter, netter, junger Mann.
Wir haben uns angefreundet, weil er Hilfe bei Elektrotechnik in seinem Studium gebraucht hat.
Eine Psychose hat sich angekündigt.
Vor ca. 3 Wochen war es so schlimm, dass er freiwillig in die Vitos in die Geschlossene gegangen ist.
Ich habe seinen Eltern versprochen, dass ich ihn regelmäßig besuche, weil sie weit weg wohnen.
Wenn ich ihn besuche, ist er in einer komplett anderen Welt und erzählt absolut unlogisches Zeug.
Er ist ein völlig anderer Mensch.
Ich erkenne ihn nicht wieder.
Es ist kaum zu ertragen, ihn so zu sehen.

Ich bin mit A seit 13 Jahren befreundet.
Ihr Sohn ist 3 Wochen jünger als Ansgar.
Die 2. Tochter macht dieses Jahr ihren Realschulabschluss, jetzt ist bereits die heiße Lernphase.
Dienstag vor einer Woche hat A mich abends gefragt, ob ich ihren Hund in den Garten lassen könne.
Normalerweise ist immer jemand zuhause, immerhin haben sie und ihr Mann 3 Kinder.
Sie waren alle im Krankenhaus, sie und die Kinder als Besucher, ihr Mann als Patient nach einem schweren Herzinfarkt.
Es ging jetzt 10 Tage lang auf und ab, mit guten Nachrichten und schlechten Nachrichten, die sich abgewechselt haben.
Seit Freitag ist sie Witwe.
Sie ist 47, so wie ihr Mann.
2 der 3 Kinder sind noch minderjährig.
Er war der Hauptverdiener.
Weder sie noch er haben noch Eltern.

Ansgar sollte dieses Jahr seinen Hauptschulabschluss machen.
Seine Lehrerin hat mich immer wieder angesprochen, dass er sich nicht ausreichend in der Schule vorbereitet.
Ich müsste zuhause mit ihm arbeiten.

Seit 2 Wochen haben ich starke Bauchschmerzen und Durchfall.

Ich mag alle.
Und alle hätten es verdient, dass ich mich auf sie konzentriere und ganz für sie da bin.
Ich möchte keinen hängen lassen.
Ich kann mich um keinen so kümmern, wie er das verdient hat.

2025-01-22

Das Kind macht mich fertig.
Esmeralda macht mich einfach nur fertig.
Ansgar meinte, dass unser Abendessen typisch Amerikanisch sei wg. Junkfood und ich hab mir den Spaß erlaubt, Country-Musik zum Ambiente anzumachen.
Esmeralda meinte, das sei die schlimmste Musik ever (Ich bin ja auch nicht so ein Country-Fan) und ich meinte, die Volksmusik meiner Kindheit war schlimmer.
Sie hat mir nicht geglaubt.
Ich hab dann die Jacob Sisters, die Kastelruther Spatzen, die Wildecker Herzbuben, … angemacht.
Jetzt sitzt das Kind in der Küche und schunkelt und singt die Refrains mit.

2025-11-01

Findus hat schon wieder eine Maus gebracht.
Diesmal war sie tot. U
nd Findus hat noch ein bisschen im Flur damit gespielt.
Dann kam Spooky, hat sie sich geschnappt und ist weg gerannt.
Unterm Bett hat er sich dann verschanzt und geknurrt.
Esmeralda hat ihn unterm Bett hervorgejagt.
Spooky ist dann in den Keller gerannt.
Unter den entsetzten Blicken von Findus (und mir) hat er dann mit seinem fast zahnlosen Mund so lange darauf rumgekaut, bis er sie komplett verschlungen hat.

2025-10-30

Ansgar hat seit heute eine neue Zahnspange und wird von seiner Schwester nur noch „Drahtfresse“ genannt.

Findus hat zur Feier des Tages seine erste Maus gebracht. Ich hab sie raus getragen, man kann nur hoffen, dass sie es überlebt.

2025-10-15

Die Kinder waren eine Woche lang bei ihrer Oma Silvia.

Ich komme nach hause und werd schon von der Tochter angeschissen, was mir denn einfalle, auf IHREN Haargummi, den sie gesucht hat, Zeug von mir abzulegen. Der Haargummi lag in meinem Schlafzimmer! Außerdem, was mir einfallen würde, in ihren Zimmer den Vorhang zur Seite zu schieben?

Und sie hatte doch gesagt, dass sie ihren Geldbeutel vermisst und warum wir den nicht gesucht haben während sie unterwegs war.

Ich mache Abendessen, die Tochter schaut auf ihren Teller, fragt: „Was ist denn das für ein Dreck?“ und geht wieder.